Jurastudium
27.2.22

Wie geht man eigentlich beim Schreiben einer juristischen Hausarbeit vor? 

Gerade in den ersten Semestern ist die Hausarbeitenphase gar nicht so einfach in den Griff zu bekommen. Man bekommt es im Jurastudium mit vielen neuen Inhalten zu tun, Klausuren sind auf einmal erheblich schwieriger und statt einer über Wikipedia erarbeiteten Themenhausarbeit steht auf einmal ein komplexer Sachverhalt vor der Tür. Daher stellt sich jedem Jurastudenten die Frage, wie man eigentlich an eine solche Hausarbeit herangeht.

Das Vorgehen bei einer Hausarbeit ist entscheidend für die Frage, wie lange man an einer Hausarbeit sitzt, in welcher Qualität die Hausarbeit am Ende abgegeben wird und ob es 5 oder doch 11 Punkte werden. Daher haben wir euch einen genauen Schritt-für-Schritt-Schlachtplan für die nächste Hausarbeit erarbeitet:

Schritt 1: Einlesen in Sachverhalt und Thema

Zuerst einmal muss man sich in die Hausarbeit und die entsprechende Thematik einlesen. Dazu muss man Folgendes wissen: Hausarbeiten sind meist kombiniert aus Themenklassikern und mehr oder weniger aktuellen Urteilen. Nachdem ihr den Sachverhalt analysiert habt, steigt ihr in die Literaturrecherche ein. Ganz wichtig: Schaut genau, ob ihr möglicherweise sogar das entsprechende Urteil oder einen ähnlich gelagerten Fall findet. Dann könnt ihr die Schwerpunkte bereits an den etwaigen Entscheidungsgründen ablesen.

Schritt 2: Lösungsskizze erarbeiten

Eine detaillierte Lösungsskizze solltet ihr immer anfertigen, bevor ihr die Hausarbeit schreibt. Denn diese ist euer Leitfaden für die Hausarbeit. Wenn ihr ohne klare Struktur einfach drauf losschreibt, dann wird eure Hausarbeit das Ergebnis dieses Vorgehens: eine unstrukturierte und nicht schwerpunktorientierte Fallbearbeitung.

Jede Hausarbeit bedarf einer durchdachten Lösungsskizze, die eine Gliederung enthält, die Schwerpunkte setzt und in der Lösung verortet.

Das bedeutet wiederum nicht, dass jeder Schwerpunkt bis zum Ende recherchiert sein muss. Vielmehr müsst ihr in diesem Stadium die Schwerpunkte erkannt und an die richtigen Stellen euer Lösungsskizze platziert haben. Das tiefe Durchdringen der Materie bleibt der späteren Lösung vorbehalten. Hier solltet ihr nicht zu früh Zeit vergeuden.

Schritt 3: Technische Voraussetzungen schaffen

Niemals (und das heißt wirklich NIE) fangt ihr in einem leeren Word-Dokument an! Ihr startet in einer durchformatierten Formatvorlage, die bereits Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Quellenverzeichnis und angepasste Formatvorlagen enthält. Diese müssen mit den Vorgaben des Bearbeitervermerks übereinstimmen. Eine Formatierung am Ende der Hausarbeit kostet euch unnötige Zeit, also macht es einfach direkt richtig. Eure Lösungsskizze gehört spätestens dann in eure Formatvorlage.

Ihr habt keine Formatvorlage und keine Ahnung, wie man eine solche erstellt? Dann werdet Ihr in unserem Online Repetitorium fündig. Wir haben ein Video zur Anfertigung einer Hausarbeit mitsamt Formatvorlage mit gängiger Formatierung für euch vorbereitet. Zum Online Repetitorium geht es hier entlang.

Schritt 4: Es kann losgehen

Nun könnt ihr loslegen. Ihr schreibt eure Hausarbeit wie ein Klausurgutachten. Wichtig ist, dass ihr in einer Hausarbeit noch tiefer in die einzelnen Probleme und die Materie einsteigt. Denn im Unterschied zur Klausur habt ihr hierfür genug Zeit. Das wollen die Korrektoren also von euch sehen. Ihr müsst euch so tief wie möglich mit den Problemen auseinandersetzen und dies auch zu Papier bringen. Das bedeutet, dass eure tiefe Literaturrecherche und das Schreiben der Hausarbeit parallel laufen. Daher solltet ihr von vornherein auch das Verschriftlichte mit Literaturnachweisen belegen. Wer das nicht bereits während des Schreibens macht, der darf alle Nachweise am Ende noch einmal raussuchen - das bedeutet doppelte Arbeit und kostet unnötige Zeit.

Eine gute Hausarbeit lebt von sorgfältiger und tiefgehender Literaturrecherche. Dies sollte sich auch in den Fußnoten euer Hausarbeit wiederfinden.

Schritt 5: Wie kriege ich 11 statt 5 Punkte?

Am Ende stellt sich trotzdem auch die Frage, wo der Unterschied zwischen 11 und 5 Punkten liegt. Manchmal schreiben zwei Kommilitonen anhand der gleichen Lösungsskizze, die sie gemeinsam erarbeitet haben, zwei Hausarbeiten und liegen bei den Punkten trotzdem derart weit auseinander. Wie kommt das? Wenn ihr jetzt einwerft, es liegt am Korrektor, dann gilt dies nur sehr eingeschränkt. Häufig hat man sogar den gleichen Korrektor und die Korrektoren sind nicht unbedingt immer schlecht, wie es mancher Student zu behaupten vermag. Auch wenn dies ein Faktor sein kann, ist der wichtigste Faktor der subjektive Eindruck des Korrektors. Auch Korrektoren sind Menschen und bewerten daher subjektiv.

Fragt euch selbst: lest ihr lieber eine sprachlich holprige und in die Länge gezogene Geschichte oder einen spannenden und an den richtigen Punkten den Fokus setzenden Krimi?

Die Antwort ist natürlich letzteres. Ihr müsst langweilige Punkte kurz im Gutachtenstil abhaken und an den Schwerpunkten dem Korrektor detailliert das Meinungsbild und eine argumentativ überzeugende Lösung aufbereiten. Wer bereits auf Seite 1 lang und breit über den Vertragsschluss definiert und sinniert, obwohl ein solcher unproblematisch vorliegt, der wird nicht mehr über 6 Punkte kommen. Der Korrektor hat auf Seite 1 bereits einen Puls von 180 und wird kein Erbarmen mehr mit euch haben.

Also gilt: Konzentration auf das Wesentliche und auf die Schwerpunkte, die ihr identifiziert habt. Dann stellt sich im Übrigen am Ende auch nicht das Problem, dass ihr eure Hausarbeit um 10 Seiten kürzen müsst. Eine zu lange Hausarbeit liegt stets am fehlenden Fokus auf die wesentlichen Schwerpunkte. Also achtet einfach gleich darauf und spart dem Korrektor die gähnende Langeweile.

Schritt 6: Inhaltsverzeichnis, Quellenverzeichnis

Das Inhaltsverzeichnis erhaltet ihr bei ordnungsgemäßer Nutzung unserer Formatvorlage über ein einmaliges Aktualisieren am Ende. Das Quellenverzeichnis gilt es einzupflegen, am Besten bereits während des Schreibens. Auch hier sei auf Folgendes hingewiesen: Wer am Ende der Hausarbeit zehn Quellen hat, der wird nicht mehr als 5 Punkte erhalten. Ihr sollt in die Tiefe der Probleme eindringen, das gelingt euch nicht mit einem oder zwei Büchern. Ihr müsst die Probleme bis zum Ende recherchieren.

Als verallgemeinerte Faustformel gilt: eure Hausarbeit sollte nicht mehr Seiten als Quellen haben.

Zu guter Letzt: Zeitplan

Ein Zeitplan für eine Hausarbeit lässt sich nicht ganz verallgemeinern. Wir geben euch trotzdem eine Richtschnur an die Hand.

Einlesen in Sachverhalt und Thema: 1-2 Tage

Lösungsskizze erarbeiten: 5-10 Tage

Technische Voraussetzungen schaffen: 0 Tage (Findet ihr hier.)

Schreiben: 4-8 Tage

Inhaltsverzeichnis, Quellenverzeichnis: 1 Tag

Ihr seht, eine Hausarbeit kostet euch zwischen zwei und drei Wochen gewissenhafter Arbeit. Das bedeutet jedoch auch, von 9 bis 18 Uhr an der Hausarbeit zu sitzen. Wenn ihr mehr als drei Wochen braucht, garantieren wir euch, dass ihr einen der benannten Schritte nicht richtig einhaltet. Wenn ihr weniger braucht, heißt das, ihr setzt euch nicht tief genug mit den Schwerpunkten auseinander.

Habt ihr noch Fragen zu Hausarbeiten oder zum Studium allgemein? Die Fragen könnt ihr in unserem JUR:easy-Podcast stellen und wir beantworten euch diese gern.

Viel Erfolg bei der nächsten Hausarbeit!

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